phantasmidae Neuer Wuppertaler Kunstverein 2018

Die für den Kunstverein konzipierte Ausstellung spielt im Titel auf den Gattungsbegriff der Phasmiden, der sogenannten Gespenstschrecken, an. Charakteristisch für diese Insekten sind ihre überdurchschnittliche Größe und ihre interessante, sonderliche Gestalt. Norbert Kraus benutzt Grafiken des 18. Jahrhunderts als Grundlage seiner Computeranimationen bzw. Videos, die Insekten in ihrem Gestaltwandel und Bewegungen zeigen. Dabei sind die von ihm programmierten Darstellungen auf den drei Leinwänden der Installation fiktiv und werden zu einem phantastischen Panoptikum im Raum. Dies verstärkt sich durch die Verbindung der animierten Bilder mit den Ton-Kompositionen von Thomas Seidel, die eine eigenständige Klang- und Zeitcharakteristik aufweisen, und in einem gemeinsamen Arbeitsprozess aufeinander abgestimmt wurden. So entsteht eine vielschichtige Choreografie mit unvorhergesehenen Korrespondenzen: „Leben, Entwicklung, Bedrohung und Stillstand im Regiment der Zeit als Aufführung von Schönheit“ (Kraus). Die Animationen und Kompositionen bringen geheimnisvolle Bilder im fantastischen Sinne hervor; Phantasien, in denen das Wunderbare und das Monströse, das Schöne und das Unheimliche zusammenfindet.

Erik Schoenenberg 2018